Es reicht. Für alle.

Warum?

Das Ausmaß der Misere

Wir benötigen zwei oder drei Erden, wenn alle Menschen so leben wollten, wie wir es derzeit in Deutschland, Österreich oder der Schweiz tun. Nicht nur, dass wir die Erde im wahrsten Sinne des Wortes „verbrauchen“, wir vergiften sie auch im großen Maßstab. Das bekannteste Beispiel ist unser CO₂-Ausstoss: Durch unsere gewohnte Lebensweise verursachen wir im Durchschnitt zehnmal mehr Kohlendioxid-Äquivalente, als diese Erde verträgt. Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Wir sehen die Zerstörungen, die unser Lebenswandel bewirkt und die Notwendigkeit, zu einem menschlichen Maß zurückzufinden. Zugleich erleben wir das notwendige und unvermeidliche Ende eines Zeitalters, das von der Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe unserer Erde geprägt ist. Große Veränderungen stehen an, wenn wir mit unserer Lebensweise nicht „vor die Wand fahren“ wollen.

Motor dieses Wandels ist unser Konsum

Erst seit zwei oder drei Generationen haben wir uns in ein Leben hinein eingerichtet, in dem wir Dinge zu „Produkten“ machen, die wir kaufen können. Wir haben uns daran gewöhnt, die Welt abgepackt im Supermarkt, im Onlineshop oder an der Tankstelle zu „kaufen“. Und wir tun so, als ob dies in irgend einer Weise sinnvoll oder gar klug wäre. Wohl wissend, dass die Warenwelt die größte Plünderung des Planeten seit Menschengedenken hervorbringt.

Kaum ein Lebewesen vor uns hat es fertig gebracht, derart viel Energie und Ressourcen für sich und seine kurze Gegenwart auf diesem Planeten geltend zu machen. Nur die Königshäuser vergangener Zeiten konnten eine so ausschweifende Masslosigkeit praktizieren - brauchte es doch vor Nutzung der fossilen Energieträger die Energie Tausender von Menschen, sich das Leben derart angenehm gestalten zu lassen.

Warum sollten wir darauf verzichten?

Weil wir Eins sind mit dieser wunderbaren Erde und all ihrer Lebewesen und Lebensformen, die sie hervorgebracht hat. Wir können und dürfen nicht große Teile dieses kostbaren einen endlichen Planeten unbelebt und zerschunden nach unserer kurzen Lebensphase zurücklassen.

Das Ende einer Ära

So oder so: Wir haben eh keine Wahl: Wir erleben das unvermeidliche Ende einer 200-jährigen Geschichte. Die nahezu unbegrenzte Verfügung über Wärme, Kraft, Nahrung, Vergnügungen und Zerstreuungen für Milliarden von Menschen wird in diesem Umfang nur eine kurze Episode auf diesem Planeten gewesen sein. Wir werden in absehbarer Zeit nicht mehr alle erdenklichen Dinge an jedem Ort zu jeder Zeit zur Verfügung haben. Ob wir wollen, oder nicht: Die Ressourcen unserer Erde sind endlich! Wenn wir uns darauf einstellen, können wir diesen Wandel konstruktiv gestalten und zum Besten wenden.

Alle schleichen sich derzeit an dieser Wahrheit vorbei: Wir werden weitaus weniger verbrauchen können!

Die gute Nachricht: Es ist von allem genug da - wenn wir beginnen, darüber zu sprechen, wann es reicht, wann es „genug“ ist, wo die notwendigen und unvermeidlichen Grenzen unserer Nutzungen und Aneignungen liegen.

Der Klimawandel gibt die Richtung vor, in die wir gehen müssen. Ob wir wollen oder nicht.

Aber brauchen wir nicht wirtschaftliches Wachstum?

Wir halten nur zu gerne an diesem Glaubenssatz fest, der uns das Recht zuspricht mehr und mehr zu konsumieren. Er garantiert uns die Behaglichkeit unserer Lebensweise. Gleichzeitig führt er dazu, dass wir unsere Erde schneller und schneller „verbrauchen“ - wie ein Radiergummi, das sich in seine Nutzung hinein auflöst. Jeder scheint alles tun und nutzen zu dürfen. Diese Form wirtschaftlich geprägter Gleichgültigkeit ist zutiefst zerstörerisch. Wenn wir unsere Ressourcen weiter plündern, entscheiden wir uns für den Krieg der Menschen untereinander und mit der Erde. Unsere „Freiheit“, einen beliebigen Lebensstil zu wählen, endet dort, wo unsere Lebensweise die Freiheit anderer beschneidet, ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Schnellstmöglich benötigen wir neue Probefelder für alternative Wirtschaftsweisen, denn das Mantra des Wirtschaftswachstums ist der Sargnagel unseres Planeten. Noch haben wir die Möglichkeit, aktiv und konstruktiv den unvermeidlichen Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft anzugehen - anstatt von ihm in den nächsten Jahrzehnten überrollt zu werden.

Gesellschaftliche Lähmung und ihre Überwindung

Im Grunde wissen wir das alles seit Langem. Immer umfänglicher und genauer sehen wir, was zu tun wäre – und unterlassen es. Die Folge ist Stillstand, und mit ihm eine zunehmende Lähmung von Politik und Gesellschaft.

Herannahende Umbrüche führen unweigerlich zu Verunsicherung, Angst und Orientierungslosigkeit. Endende Zeitalter sind turbulente und riskante Zeiten – aber auch Zeiten, in denen die Kultur der Zukunft in Ansätzen bereits erfahrbar werden kann.

Um so dringlicher stehen erste Schritte in die richtige Richtung an. Diese kleinen Keimzellen der Kultur der Zukunft sind von unschätzbarem Wert, sie sind das Samenkorn für die menschenwürdige Ausgestaltung des herannahenden Neuen.

Den unangenehmen Fragen nicht mehr ausweichen

Mit welchem Recht fliegen wir 20.000 Kilometer, um uns für zehn Tage zu "erholen"? Mit welchem Recht erwärmt ein einzelner Mensch 300 Quadratmeter Wohnfläche auf 21 Grad und 200.000 Liter Wasser seines Schwimmbeckens dazu? Mit welchem Recht lenkt ein Handlungsreisender ein massiv übermotorisiertes Fahrzeug bei 220 Stundenkilometern über die Autobahn? Wir schleichen uns aus all diesen ganz alltäglichen Fragen heraus, meiden sie. Wir sind bequem, und aus Bequemlichkeit treffen wir falsche Entscheidungen.

Dürfen wir kaufen, was wir bezahlen können - nur weil wir das Geld dafür haben? Das Ausmaß heutigen Konsums – Flugreisen, Automobilität, Wohnraum, Lebensmittel aus fernen Ländern, eine Vielzahl elektronischer Geräte – wären noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Er ist das Resultat der immer billigeren Verfügbarkeit von Ressourcen und den wachsenden Konsummöglichkeiten.

Wir verändern die Welt in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit und Radikalität. Wir handeln so, als ob es unser Recht sei, die raum-zeitliche Ordnung mittels fossiler Brennstoffe jederzeit aus jedem beliebigen Grund aufzuheben. Wie kommen wir darauf? Wer hat uns diese Sicherheit gegeben? Ist es nicht allein unserer Gier, unserer Bequemlichkeit und unserem Wegschauen geschuldet, dass wir so verfahren?

Eine Lösung ist in dieser Hinsicht auch nicht durch Effizienzsteigerung zu erwarten. Denn wir kaufen nicht nur effizientere Geräte, sondern zugleich auch immer mehr von allem. Es gibt nur einen Ausweg: Die bewusste und nachvollziehbare massive Begrenzung der Nutzung natürlicher Ressourcen.

Wenn wir den Planeten Erde in seiner Vielfalt und seinem Reichtum erhalten wollen und wenn wir es mit der Ressourcengerechtigkeit ernst meinen, kommen wir um ehrliche Antworten nicht herum. Es gibt Grenzen eines fairen, würdigen Lebens. Und wir überschreiten sie, täglich, immerzu.

Das Ende des Stillstands: Es reicht!

Es muss einfach Menschen geben, die einen Anfang machen. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass es so nicht weitergeht. Tageszeitungen und Fernsehsendungen informieren uns täglich über die Abgründe unserer Alltagshandlungen. Und doch bleibt weitgehend alles beim Alten.

Wir können die Welt nicht ändern. Aber wir können unsere Verantwortung wahrnehmen. Gemeinsam, entschieden - und so nach und nach der Welt eine neue Gestalt geben. Es braucht eine andere Kultur des „genug!“. Es braucht einen gemeinsamen Anfang.

„Eine Erde“ für jeden Menschen

Wenn wir es mit Ressourcengerechtigkeit und Klimaschutz ernst meinen, gibt es nur einen Weg: Jedem Menschen steht nur so viel „Erde“ zu, dass allen Menschen und jedem Lebewesen ebenso ihr Platz zuteil wird. Wenn wir es auch in Deutschland gewohnt sind, im Durchschnitt drei Erden zu nutzen: Es gibt auch unter uns viele Menschen, die schon heute zufrieden und erfüllt so leben, dass sie nur das benötigen, was dieser eine endliche Planet hergibt.

Es bedarf einiger Umgewöhnung, es bedarf des Experimentierens mit neuen Lebensstilen. Und sicher ist es hier und da auch unbequem und beunruhigend. Doch ein angenehmes und erfülltes Leben, das ist allemal mit weitaus geringerem ökologischem Fussabdruck machbar.